
Echt oder Fake? Die Erkennungszeichen
Auf den ersten Blick scheint es schwierig, echte von falschen Nahtnylons zu unterscheiden – und das ist kein Zufall. Seit 2019 tauchen vermehrt Strumpfwaren aus Fernost auf, die Nahtnylons täuschend echt imitieren, inzwischen sogar mit nachgemachtem Abschlussloch. Sie erscheinen europaweit auf Plattformen wie Etsy, eBay, Vinted und in Kleinanzeigen – teilweise zum vollen Preis echter Nahtnylons und dreist beworben mit Fotos echter Strümpfe. Der Begriff „Echte Nahtnylons" ist rechtlich nicht geschützt, weshalb sich mancher Anbieter „dumm und geschäftstüchtig" stellt. Die gute Nachricht: Mit etwas Übung entlarvst du jede Imitation – fast im Vorbeigehen.
Die wichtigsten Merkmale
Das markanteste Kennzeichen. Es entsteht zwangsläufig beim Zusammennähen (siehe Kapitel III) und erfüllt keinerlei Zweck. Fehlt es, kann es kein heute hergestellter echter Nahtstrumpf sein. Bei Imitaten ist das Loch zwar nachgeahmt, aber zeigt drei verräterische Unterschiede: Erstens ist es bei Fakes meist umnäht – eine erkennbare Naht läuft rund um das Loch herum. Zweitens ist die Strumpfnaht bei Imitaten unterhalb des Doppelrands oft ein kurzes Stück unterbrochen. Drittens ist die Naht bei Fakes im Bereich der Hochferse nicht durchgehend ausgeführt. (Historische Randnotiz: In früheren Jahren boten einige Hersteller durchaus auch echte Nahtstrümpfe ohne Abschlussloch an – bei heutiger Neuware gehört es aber dazu.)
Die typische Naht muss von der Strumpfspitze bis zum Umschlagpunkt des Doppelrandes durchgehen – auch über die Hochferse hinweg, ohne Unterbrechung. Die Naht hat eine Oberseite (simple Längsstiche) und eine Unterseite (die aus überwendelten Fäden gebildete „Versäuberung"). Würde man die echte Naht auftrennen, läge der Strumpf wieder als flache Bahn vor und wäre als Kleidungsstück unbrauchbar – die Naht hält ihn zusammen, sie ist keine Zierde.
Der ca. 10 cm breite Doppelrand ist dunkler als der Reststrumpf – hier liegt das Nylon doppelt. Darunter schließt sich der Doppelrandvorstoß an: ein kleines Stück Strumpf, etwas heller als der Doppelrand, aber dunkler als das Bein. Der stabile, doppelt gewirkte Rand ist für die Strumpfhalterclips gedacht und ein typisches Merkmal guter Fabrikate.
Ferse und Fußsohle sind mit Extragarn verstärkt – sichtbar dunkler und widerstandsfähiger. Diese Verstärkung diente ursprünglich dazu, den Strumpf strapazierfähiger zu machen und ihn (mit dem Bein) fester im Schuh zu halten. Imitate haben oft gar keine echte Fersenverstärkung. Historisch gab es zudem Exemplare mit Sandalettenferse – also ohne die dunkle Fersenverstärkung, für offene Schuhe.
Die kleinen, regelmäßig versetzten „Fischgrät"-Spuren entlang der Naht entstehen beim Mindern der Maschenzahl auf der Cottonmaschine (siehe Kapitel III). Eine Rundstrickmaschine arbeitet mit konstanter Nadelzahl und kann dieses Muster nicht erzeugen – das Minderungsmuster ist daher eines der zuverlässigsten Echtheitszeichen überhaupt.
Echte Nahtnylons bestehen aus reinem Polyamid aus einem endlosen Einzelfaden, ohne Lycra oder Elasthan. Lässt sich der Strumpf stark dehnen wie eine moderne Strumpfhose, ist er nicht echt. Auch das gleichmäßige, glatte „Plain Knit"-Maschenbild – bei dem die Maschen in einer Reihe hintereinander liegen – verrät das Original. Heutige Rundstrickware fertigt dagegen einfache Schläuche mit gleichbleibender Nadelzahl, die sich nur durch unterschiedliches Straffen des Fadens oder durch Fixieren auf Metallformen an die Beinform „anpassen".


Der Echtheits-Check
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