
Hochfersen – die Kunst der Zierferse
Fußbett und Hochferse hatten ursprünglich einen rein praktischen Zweck: den Strumpf (mitsamt Bein) fester im Schuh zu halten und ihn an der besonders beanspruchten Fersenpartie strapazierfähiger zu machen. Doch die Strumpfhersteller entdeckten schnell einen zweiten, eleganteren Nutzen – einen Effekt der optischen Täuschung. Die Naht allein lässt das Bein bereits schlanker und länger wirken; die gezielte Gestaltung der Hochferse kann zusätzlich den Fesselbereich strecken und schlanker erscheinen lassen. Ohne Zweifel ein Hauptgrund für die besondere, fast magische Anziehungskraft der Nahtstrümpfe.
Im Lauf der Zeit entstand eine erstaunliche Vielfalt an Fersenformen, kombiniert mit breiten oder schmalen Fußbetten, mitunter sogar mit angesetzten Schmucksteinen oder Zierrändern. Das Umrüsten der Cottonmaschine auf eine andere Fersenform war und ist allerdings aufwendig – ein ungleich höherer Zeitaufwand als bei heutigen rechnergesteuerten Rundstrickautomaten. Jede Fersenform ist deshalb auch ein kleines Bekenntnis zum Handwerk.
Welche Ferse darf es sein?
Warum die Hochferse das Bein verändert
Der Trick ist subtil und doch wirkungsvoll. Eine dunkle, nach oben gezogene Fersenpartie zieht den Blick und schafft eine vertikale Linie, die – zusammen mit der Naht – das Auge nach oben führt. Schmale Fußbetten verstärken den Effekt, breite mildern ihn. Wer also viel von der Hochferse zeigen möchte, kombiniert sie mit offenen Schuhen wie Slingbacks (mehr dazu in Kapitel XI). Die Hochferse ist damit eines der wenigen Modeelemente, das gleichermaßen funktional, historisch und ästhetisch begründet ist.