
Kaufen: Hersteller, Preise, Vintage
Echte Nahtnylons zu kaufen ist kein Problem – wenn man weiß, wo. Weltweit produzieren heute noch drei Hersteller auf alten Cottonmaschinen. Am sichersten kaufst du direkt bei ihnen: Dort gibt es die besten Preise und garantiert keine Fakes. Daneben besteht bei einschlägigen Online-Auktionshäusern ein großes Angebot an Nahtnylons aus dem vergangenen Jahrhundert – dazu weiter unten mehr.
Die drei Hersteller im Porträt
Charakter: weiches, glänzendes Polyfil-Garn (15 den / 60 gg) – angenehmes Tragegefühl, idealer Einstieg, etwas anfälliger für Laufmaschen.
- Mittlerweile elf Fersenformen, über 30 Strumpffarben, Kontrastnähte
- Fertigt Nahtstrümpfe auch in sehr großen Größen – extragroß bis 12½ (Schuhgröße 44+)
- Bietet nahezu immer „Imperfects" (II. Wahl) an – der perfekte, günstige Einstieg in die teure Welt der Nahtnylons
- Übernahm vier Cottonmaschinen von britischen Strumpfproduzenten, die bis in die 80er Nahtnylons fertigten
- Preis: ab ca. 25 GBP (Stand Mai 2026)
Charakter: klassisches, monofiles Garn – etwas „härter" und matter, entspricht in der Machart den Nahtnylons der 50er-Jahre. Robuster; der „Havana Heel" gilt vielen Kennerinnen als Favorit.
- Denier-Vielfalt: 10, 15, 30 und 45 den – die „45 Libération" (seit 2011, Polyfil) ist die haltbare Alternative; 30 den seit Herbst 2023
- Varianten u. a.: Tentation, Havana, Swing Time (auch Bicolor), Charleston Soie (echte Seide!), Sully, Zigzag Heel, So!, Select, Tenue de Soirée; halterlose Modelle ohne Doppelrand
- Größenwahl über Körpergröße + Gewicht
- Vier Cottonmaschinen im Einsatz (eine 51 gg, zwei 60 gg, eine 45 gg für die Libération)
- Preis: je nach Händler ca. 32–46 € pro Paar
Charakter: das breiteste Sortiment an Fersenformen und Farbvarianten, Schwerpunkt 50er-Jahre-Ästhetik.
- Kaufte 2010 den Maschinenpark des US-Familienunternehmens Magnolia Hosiery; ab Frühjahr 2016 wieder amerikanische Produktion (European Heel statt der alten Cuban Heels)
- Übernahm zudem den britischen Hersteller Touchable (drei Cottonmaschinen, zwei aktiv): GB-Ware 15 den polyfil, 60 gg
- US-Ware monofil (u. a. Modelle 9690, 9691, 9695, 9630) – von Europa aus schlechter zu bekommen
- Fersen: Point, Cuban, Havana, Manhattan, Broadway, European Heel, Kontrastvarianten
- EU-Vertrieb über einen Ableger – nicht immer das volle US-Sortiment erhältlich
Monofil – die robustere Wahl
Monofil bezeichnet Garn aus nur einem Faden – in den 50ern die gängige Sorte, erfahrungsgemäß robuster gegen Laufmaschen. Komplett monofil sind heute alle Cervin-Nylons; bei Secrets in Lace ist es ein Teil des Sortiments (sicher monofil: die Modelle 9690 Vintage European Heel, 9691 Vintage Glamour, 9695 Vintage Elegance und 9630 Anya Outline Heel). Wer Wert auf Haltbarkeit legt, fährt mit Monofilgarn meist besser.
Was kostet das Vergnügen?
Ein Paar erste Wahl kostet mindestens 30 Euro, gute Cervin-Modelle auch 40–50 Euro. Das ist dem aufwendigen Herstellungsverfahren und den kleinen Stückzahlen geschuldet – und historisch betrachtet sogar günstig (siehe Kapitel II). Billigangebote sind fast nie echte Nahtnylons, sondern Modestrümpfe mit Ziernaht.
Vintage-Nylons: Schatzsuche mit Verstand
Bei Onlinehändlern und auf Flohmärkten gibt es reichlich original verpackte Nahtstrümpfe aus den 50er- bis 70er-Jahren. Die gute Nachricht: Nylon und Perlon altern nicht – die Trageeigenschaften bleiben über Jahrzehnte erhalten. Echte Glücksgriffe sind Strümpfe in 40 oder 60 den (elegant und zugleich robust) und mit hohen Gauge-Zahlen: Empfehlenswert sind Hersteller wie Esda, Arwa und Elbeo; Sahnestücke sind 75-gg-Nylons, die absolute Krönung die extrem seltenen Arwa „Grand Dame" in 90 Gauge.
- Eher meiden: Fully-Fashioned-Stretch-Nahtstrümpfe – der „letzte Versuch" der Industrie, sich gegen die Nahtlosen zu wehren; man sieht es ihnen an. Ebenso Strümpfe mit angekettelten Fußteilen (Andeckferse), die aus separatem Bein- und Fußteil „gebaut" wurden und selten elegant wirken.
- Mit Bedacht: Kunstseidestrümpfe – nur kaufen, wenn du weißt, was dich erwartet (dickeres, grobes Garn, Ausbeulen, kürzere Längen).
- Wichtig zu wissen: Einige damals verwendete Farbstoffe und Ausrüstungschemikalien gelten nach heutigen Maßstäben nicht als unbedenklich. Da Strümpfe direkt auf der Haut und an vielen Stellen in Verbindung mit Schweiß getragen werden, kann es zur Aufnahme von Schadstoffen über die Haut kommen; Auswaschen vor dem Tragen hilft nur bedingt. Es muss nicht problematisch sein – „die Dosis macht das Gift" –, aber blende den Umstand nicht aus.
- Schöner Nebeneffekt: Alte Strümpfe jenseits der 20 den lassen sich problemlos umfärben – mit etwas Glück findest du wunderschöne Varianten.
Maßgefertigt & laufmaschenfest: ein Kapitel für sich
Dass Haltbarkeit nicht grob aussehen muss, bewies in den vergangenen Jahren ein kleines, handwerkliches Strumpfprojekt mit den maßgeschneiderten Nahtstrümpfen „Sanda": ca. 40 den, 80 % Polyamid + 20 % Elasthan, extrem laufmaschenbeständig (im Test endete selbst ein Stich mit der Nagelschere mit einem Löchlein – aber ohne dass sich eine Laufmasche darum zog), mit echtem Doppelrand, Abschlussloch und durchgehender Naht, genäht auf einer originalen Strumpfnähmaschine aus den 50er Jahren. Gefertigt nach individuellem Schnittmuster, zertifiziert nach OEKO-TEX Standard 100, hergestellt in Europa aus europäischen Rohwaren – entstanden übrigens aus einer Anfrage in einem heute nicht mehr existierenden Gothic-Nähforum. Solche Projekte zeigen, dass der Nahtstrumpf auch im 21. Jahrhundert weitergedacht werden kann – als bewusster Gegenentwurf zur Wegwerfmode.

