
Pflege & der Kampf gegen die Laufmasche
Echte Nylons sind teuer – und wollen gepflegt werden, sollen sie nicht allzu schnell in der Mülltonne landen. Die gute Nachricht: Weil echte Nylons aus monofilem Garn bestehen, kann sich Schmutz nicht im Inneren des Garns festsetzen. Die tägliche Wäsche nach dem Tragen ist darum schnell erledigt – und sie lohnt sich doppelt, denn Wasser wirkt bei Polyamid wie ein Weichmacher: Frisch gewaschene Nahtstrümpfe beulen an den Knien weniger aus.
Waschen wie eine Kennerin
- Immer Handwäsche – niemals in die Waschmaschine, auch nicht im Wäschesack („Karussellfahrt durchs Wasser").
- Strümpfe einfach 10 Minuten im Wasser schwimmen lassen, gelegentlich leicht bewegen. Statt pulverförmigem Waschmittel: flüssige Handseife oder ein Haarshampoo.
- Vorher die Hände anfeuchten oder eincremen, damit lose Hautschüppchen keinen Schaden anrichten – ganz sicher gehst du mit dünnen Latexhandschuhen.
- Niemals auswringen! Flach auf ein Handtuch legen und das Wasser herausfließen lassen, dann am Doppelrand aufhängen (am Wäscheständer zuerst ein Handtuch überlegen).
- Nicht in praller Sonne, nicht an der Heizung, niemals im Wäschetrockner trocknen. Nicht bügeln, keine chemische Reinigung, keine Bleichmittel – auch nicht bei dunklen Stellen an hellen Strümpfen.
- Bei sehr kalkhaltigem Wasser hilft destilliertes Wasser – aber nur nötig, wenn sich nach dem Waschen ein grauer Schleier zeigt.
- Übrigens mindert das Entfernen der Beinbehaarung ein übermäßiges Rutschen der Strümpfe.
Aufbewahren wie in alten Zeiten
Nylons gehören nicht ins wilde Durcheinander der Strumpfschublade – im morgendlichen Gewühl entstehen sonst schnell Ziehfäden. Lagere sie wie früher in kleinen Kästchen oder in einer Strumpftasche (klassisch z. B. von FALKE oder WOLFORD, mit mehreren Fächern). Oder rolle sie paarweise auf: beide Strümpfe mit der Naht als Kante flach übereinanderlegen, dann als Paar aufrollen. Edle Dinge verlangen eben nach ebenso edler Behandlung.
Ein kurioses Waschverfahren für unterwegs
Nicht ganz ernst gemeint, aber im Zeitalter des Energiesparens charmant: Wer mit dem Auto zur Arbeit fährt, kann einen kleinen, zylindrischen Schraubdeckelbehälter (gerade groß genug für ein Paar Nylons) mit Wasser und etwas Waschmittel füllen, die getragenen Strümpfe hineingeben, dicht verschließen und in den Kofferraum stellen. Bist du zu Hause angekommen, ist der „Waschgang" durch das ständige Schwappen beendet.
Der große Strumpftest von 1962
England, am Ende der Nahtnylon-Ära: 1.647 Strümpfe wurden getestet, 1.827 Beschädigungen analysiert. Die Balken bauen sich auf, sobald sie sichtbar werden.
Wo traten die Schäden auf?
Und was war die Ursache?
Die neun Gebote gegen die Laufmasche
- Beim Anziehen Handschuhe verwenden (es gibt sie z. B. von WOLFORD).
- Finger- und Fußnägel kurz und frei von scharfen Kanten halten.
- Hornhaut an den Füßen regelmäßig behandeln.
- Schuhe auf „strumpffressende" Nähte und Kanten untersuchen.
- Vorsicht vor kleinen Steinchen, die unbedingt in den Schuh möchten.
- Vor dem Anziehen die Hände eincremen oder anfeuchten.
- Die richtige Anziehtechnik verwenden (Kapitel IX).
- Stets per Handwäsche mit milder Flüssigseife waschen.
- Nach dem Waschen niemals auswringen.
Hausmittel, Mythen & das Leben danach
Die alte Hausfrauenliteratur riet, neue Nylons vor dem ersten Tragen in Seifenlauge zu baden – normales Geschirrspülmittel galt als Wunderwaffe. Der Kern stimmt: Polyamid ist hygroskopisch, mit steigendem Wassergehalt wird das Garn elastischer – allerdings nur bis zur Sättigungsgrenze.
Strümpfe im Tiefkühlfach sollen angeblich die Maschen stabilisieren. Diana Brill empfahl die Methode in ihrem Buch „Wie werde ich eine Sexgöttin" und berief sich auf Marilyn Monroe; manche Varianten raten sogar, die Strümpfe leicht feucht einzufrieren. Wissenschaftlich belegt ist hier – nun ja – wenig.
Der bekannteste „Laufmaschenstopp" ist der Tupfer Nagellack oder UHU-Stick. Er zögert die Zerstörung nur hinaus, sieht auf schwarzem Strumpf bescheiden aus und ist nach der nächsten Wäsche wieder verschwunden. Auch teure „Wunderwaffen" aus dem Handel (etwa „Nylons forever", 1997) konnten nie Wunder belegen.
Mancherorts lassen sich Nylons noch professionell „repassieren" – die gefallenen Maschen werden Schlinge für Schlinge wieder aufgenommen. Gerade bei den nicht ganz billigen Nahtstrümpfen lohnt dieser Weg. Historische Geräte wie der patentierte Laufmaschenheber zeugen von einer Zeit, in der Reparieren selbstverständlich war.
Hat eine Laufmasche gewonnen, beginnt das zweite Leben: Lederschuhe und Fensterglas polieren, als Kaffeefilter oder zum Fangen von Wasserflöhen, als Duftsäckchen, Zwiebellager, Nudelholz-Überzug, Ersatz-Haargummi, Posterrolle oder Staubsauger-Suchhilfe für verlorene Kleinteile. Trabant-Fahrerinnen schworen sogar auf den Strumpf als Hilfskeilriemen. Mehr davon im Buch von Sarah Hunter, „500 Things to Do with Pantyhose… Besides Wear Them!" (2006).

